Details

Termin:
27.01.2010 - 18.04.2010
Stadt:
Warschau
Bundesland/Woiwodschaft:
Masowien (Warschau)
Veranstalter:
Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und Haus der Begegnungen mit der Geschichte
weitere Informationen:
:: Haus der Begegnungen mit der Geschichte (engl.)
:: DIALOG 90 mit dem Titelthema Warschau-Warszawa
:: MELDEN SIE POINT. IHRE VERANSTALTUNG

Polen aus freier Wahl. Deutschstämmige Familien in Warschau im 19. und 20. Jahrhundert

Die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit bereitet gemeinsam mit dem Haus der Begegnungen mit der Geschichte in Warschau die Ausstellung „Wahlpolen – deutschstämmige Familien in Warschau im 19. und 20. Jahrhundert“ vor. Grundgedanke der Ausstellung ist es, deutsche Einwanderer zu zeigen, die sich in Warschau niederließen, und deren Beitrag für die Stadtentwicklung darzustellen.



Fotografien und Dokumente aus Warschauer Museen, Archiven und privaten Sammlungen – ein Großteil wird zum ersten Mal gezeigt – stellen die Geschichte von deutschstämmigen Warschauern im 19. und 20. Jahrhundert dar.

Deutsche waren seit den Anfängen der Stadt in Warschau präsent. Als im 18. Jahrhundert die sächsischen Wettiner die polnische Krone innehatten, nahm die Einwanderung von Deutschen zu. Anders als in Lodz, Posen oder in Kattowitz, wo bis 1945 eine organisierte und geschlossene deutsche Minderheit existierte, gingen die Ankömmlinge aus Deutschland in Warschau schnell in der polnischen Gesellschaft auf und wurden freiwillig zu Polen und Warschauern. Die Ausstellung zeigt den Beitrag von deutschen Migranten zur Entwicklung der Architektur, Industrie, Wissenschaft und Kultur in der Hauptstadt. Zudem verfolgt sie den Prozess der allmählichen und freiwilligen Assimilierung der Familien, die sich nicht nur durch ihre tägliche Arbeit der Stadt gegenüber verdient gemacht haben, sondern auch solidarisch die polnischen nationalen Bestrebungen unterstützten – im Unabhängigkeitskampf während des Ersten Weltkrieges, während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg und des Warschauer Aufstandes 1944.

Tomasz Markiewicz, Kurator der Ausstellung: „Die tragischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts, und vor allem die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkrieges, haben im Bewusstsein der Warschauer die Tatsache in den Hintergrund gedrängt, dass Warschau über Jahrhunderte eine multikulturelle Stadt war, in der verschiedene Nationalitäten friedlich miteinander gelebt haben. Die Ausstellung erinnert an diese vergessenen Facetten der Geschichte der polnischen Hauptstadt. Sie zeigt Deutsche, die in den letzten zweihundert Jahren nach Warschau gekommen sind, jedoch nicht in Uniformen feindlicher Armeen, sondern freiwillig und mit friedlichen Absichten. Ich muss betonen, dass uns bei der Vorbereitung der Ausstellung die Nachkommen der deutschen Familien, die heute in Warschau gelebt, sehr geholfen haben.“

Der erste Teil zeigt Familien, deren Ankunft in Warschau am längsten zurückliegt: Fukier (Fugger), Libelt (Liebelt), Rode (Rhode) und Straus. Eine Art „Rekordhalter“ ist hier das Geschlecht Fukier, deren Ahnenherr Georg Fugger sich bereits im Jahr 1515 in Warschau niederließ. Seit 1810 besaß die Familie Fukier ein Haus am Marktplatz der Warschauer Altstadt mit einer berühmten Weinstube und einem der ältesten Weinlager der Welt – die ältesten Flaschen stammten aus dem 17. Jahrhundert! Der Letzte aus dem Geschlecht der altstädtischen Weinhändler, Henryk Maria Fukier, starb 1959. Eine Erinnerung an ihn ist das Restaurant „Bei Fukier” (U Fukiera) in den Räumlichkeiten der früheren Weinstube. Die Familie Straus wiederum stammt von Christian Gottlieb Straus ab, Hofgarderobier von König Stanislaus August Poniatowski. Die Familie lebt seit vielen Generationen in Warschau, ähnlich wie die Nachkommen der Familien Libelt und Rode, Apotheker und Kaufleute.

Die Ausstellung überwindet das Sterotyp, dass die Ankömmlinge aus Deutschland sich außerschließlich mit Handwerk und Handel befassten oder in der Industrie arbeiteten. Der nächste Abschnitt der Ausstellung zeigt ausgewählte Vertreter anderer Berufe: Architekten (Ephraim Schröger, Johann Christian Schuch, Simon Gottlieb Zug, Jan Fryderyk Heurich, Stefan Szyller), Maler (Zygmunt Vogel, Józef Brandt, Wojciech Gerson), Schauspieler und Musiker (Józef Elsner, die Schwestern Straus), Wissenschaftler (Oskar Kolberg, Samuel Bogumi³ Linde, Joachim Lelewel), Pioniere der polnischen Fotografie (Karol Beyer, Konrad Brandel), Geistliche (Pastor Leopold Otto, Bischof Juliusz Bursche) sowie Militärs und Unabhängigkeitskämpfer (Romuald Traugutt, Edward Jürgens, Oberst Ignacy Boerner, General Gustaw Orlicz-Dreszer, General W³adys³aw Anders).

Im dritten Teil der Ausstellung werden Warschauer Industriellenfamilien vorgestellt, darunter so bekannte wie die Familie Wedel, Besitzer einer Schokoladen- und Süßwarenfabrik; die Familien Henneberg und Werner, Vertreter der Metallbranche; die Familien Spiess und Klawe, Apotheker; die Familie Ulrich, Gärtner; die Familie Schiele, Bierbrauer sowie die Familie Gebethner, Buchhändler, Verleger und Sportler. Darüber hinaus auch weniger bekannte Geschlechter wie die Familie Kerntopf, Klavierbauer und Kulturmäzene; Wernic, Musikinstrumentebauer; Weigle, Gerber sowie Pal, Besitzer der Chemiefabrik „Dobrolin“.

Die Ausstellung wird Warschau-Liebhaber sicherlich freuen: Wir zeigen u. a. einen Ausschnitt des ältesten Fotografie-Panoramas der Hauptstadt aus dem Jahr 1857, aufgenommen von Karol Beyer vom Kirchturm der evangelisch-augsburgischen Kirche am Ma³achowski-Platz. Für Warschau-Freunde sind zudem die Fotografien Karol Brandels, die die Stadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts darstellen, eine Attraktion. Es mangelt nicht an einmaligen Dokumenten, wie z.B. das Meisterdiplom von Adolf Straus aus dem 19. Jahrhundert – auf Russisch, Polnisch und Deutsch; die Einstellungsbescheinigung W³adys³aw Liebelts aus dem Jahr 1926 mit der Unterschrift des ersten Direktors des Polnischen Radios, Zygmunt Jaxa-Chamiec; sowie Briefe polnischer Soldaten, Vertreter der genannten Familien, aus deutschen Kriegsgefangenenlagern während des Zweiten Weltkrieges.

Die Ausstellung wird begleitet durch einen Veranstaltungszyklus – Begegnungen mit den Nachkommen der Familien, einen „Spaziergang durch Warschau auf deutschen Spuren“, Dokumentarfilmvorführungen, Bildungsworkshops für Jugendliche, Buchvorstellungen und Diskussionen.

In der Ausstellung wird der Prozess der schrittweisen und freiwilligen Assimilation deutscher Familien in Warschau nachgezeichnet, die sich nicht nur durch ihre alltägliche Arbeit große Verdienste um die Stadt erwarben, sondern sich auch durch ihre Solidarität mit der „polnischen Sache“ auszeichneten.

Die Eröffnung der Ausstellung findet am 26. Januar 2010 im Haus der Begegnungen mit der Geschichte in Warschau statt.

zurück

Lesezeichen:

Dodaj do wykop.pl Wykop    Dodaj do del.icio.us del.icio.us    Dodaj do mister-wong.com mister-wong   Drukuj Drucken    Poleæ znajomemu Empfehlen
Von: Empfänger: Wy¶lij Abschicken

Point. Der Deutsch-Polnische Kalender ist ein Projekt der SdpZ

STIFTUNG FÜR DEUTSCH-POLNISCHE ZUSAMMENARBEIT

Kalender


erweiterte Suche >>

Suchmaschine