[2009-11-10]STICHWORT: POLNISCHER UNABHÄNGIGKEITSKEITSTAG

Autor: Redaktion

Weder Österreich-Ungarn, Russland oder das Deutsche Reich wussten im 1. Weltkrieg, wie sie mit Polen, das territorial unter ihnen aufgeteilt war, umgehen sollten. In allen drei Armeen waren Polen vertreten. Im Verlauf des Krieges sollte es den Polen gelingen, ihren Traum von einem souveränen Staat näher zu kommen. Einen großen Anteil daran hatte Józef Pi³sudski.

Der 1. Weltkrieg war Polens große Chance auf die Souveränität. Die Frage war aber: mit welcher Strategie bzw. mit welchen Partnern ließe sich das Ziel erreichen. Während ein Lager unter Roman Dmowski (1864-1939) Polens Eigenstaatlichkeit auf der Seite Russlands erringen wollte, verfolgte Józef Klemens Pi³sudski (1867-1935) eine andere Strategie. Pi³sudski rechnete damit, dass zuerst das Zarenreich zusammenbräche und schließlich das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn. Sehr rasch begann Pi³sudski entsprechend zu handeln. Am 6. August 1914 stellte er mit Genehmigung Österreich- Ungarns, die "Polnische Legion" auf und erklärte sich selbst zum Oberkommandierenden dieser Truppe. Der in Krakau gebildete "Oberste Nationalrat" hatte die Polen zum Kampf an der Seite der Donaumonarchie aufgefordert. Wien hatte nämlich in Aussicht gestellt, aus der Österreich unterstellten Provinz Galizien und dem so genannten Kongresspolen (unter Russland) einen polnischen Staat zu schaffen.

Pi³sudskis Gegenspieler Dmowski

In Warschau hatte Dmowski das "Polnische Nationalkomitee" (Komitet Narodowy Polski) ins Leben gerufen, dessen Hauptaufgabe darin bestand, Pi³sudskis Bestrebungen entgegenzuwirken. Roman Dmowski glaubte anfänglich, nur mit Hilfe Russlands die Selbstständigkeit Polens zu erlangen. Großfürst Nikolajewitsch hatte die Wiederherstellung eines polnischen Königreiches in seinen alten Grenzen, unter dem Zepter des Zaren, in Aussicht gestellt. Dann veränderte der deutsche Vormarsch im Spätherbst 1914 die Kriegslage vollständig. Bis 1915 besetzte das Deutsche Reich ganz Kongresspolen. Polen wurde in zwei Zonen geteilt. Der nördliche Teil wurde als das Generalgouvernement "Warschau" General v. Beseler unterstellt, im Süden übernahmen die Österreicher die Verwaltung des Gouvernements "Lublin". Am 5. November 1916 proklamierten das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn die Neugründung eines "Königreichs Polen", d.h. auf dem Territorium der eroberten russischen Teilungsgebiete sollte ein polnischer Staat als Erbmonarchie eingerichtet werden. Noch im selben Monat trat ein "Provisorischer Staatsrat" (Tymczasowa Rada Stanu) zusammen.

Pi³sudski in Magdeburg inhaftiert

Die Euphorie der Polen wich rasch, als einige Tage später die Großmächte polnische Freiwillige anwarben. Vor allem erhoffte sich das Deutsche Reich mit den Versprechen eines eignen Staates, polnischen "Nachschub" für ca. 15 Divisionen heranziehen zu können. Pi³sudski stellte sich am 9. Juli 1917 quer. Er verweigerte den Eid auf den deutschen Kaiser und mit ihm seine erste und dritte Brigade. Er wurde verhaftet und in Magdeburg gefangen gesetzt. Die Russische Revolution schaffte mit ihrem Chaos eine neue politische Lage, die den Sieg der Mittelmächte begünstigte. Als am 26. November 1917 die bolschewistische Regierung um einen Waffenstillstand bat, trat in Brest-Litovsk die Friedenskonferenz (bis 3. März 1918) zusammen, auf der das Deutsche Reich seine Gebietswünsche durchsetzte. Es annektierte ein Drittel vom europäischen Territoriums (u.a. Litauen) und stellte die Ukraine unter ein Protektorat.

Wilsons 14-Punkte-Plan

Im April 1917 trat die USA der Allianz bei, sie entwickelte sich unter Präsident Thomas Woodrow Wilson zu einem Fürsprecher der Polen. Am 8. Januar 1918 erläuterte Wilson in Washington die amerikanischen Kriegsziele und seine Vorstellung zur Neuordnung Europas. In seiner berühmten "14-Punkte-Rede" setzte Wilson sich für einen souveränen polnischen Staat ein.

Pi³sudskis Rückkehr am 11. November 1918

Trotz des Einsatzes der USA erklärte man erst im Juni 1918 die Bildung eines unabhängigen polnischen Staates zum offiziellen Kriegsziel der Alliierten. In den Endzügen des 1. Weltkrieges (Oktober und November 1918) erließ der neu gegründete Regentschaftsrat am 7. Oktober 1918 einen Aufruf, einen unabhängigen polnischen Staat und eine Regierung zu schaffen. In dem Maße, wie den deutschen Behörden die Macht entglitt, gewannen die Polen ihre Souveränität zurück. Am 6. November 1918 trat eine provisorische Regierung unter Daszynski zusammen. Für einige Historiker ist dies das eigentliche Datum der polnischen Unabhängigkeit dar. Generell erachtet man aber Pi³sudskis Rückkehr aus der deutschen Gefangenschaft am 11. November als den "Unabhängigkeitstag" (Dzieñ Niepodleg³o¶ci) an. Zufall oder Inszenierung - Pi³sudskis Ankunft in Polen fiel just auf den Tag, an dem die Kriegsgegner ihren Waffenstillstand erklärten, zusammen. Nur drei Tage später wurde Pi³sudski neuer Staatschef. Polen, das als "Zweite Republik" nach 123 Jahren auf die europäische Landkarte zurückkehrte, hatte mit Pi³sudski einen Repräsentanten, der von allen Polen anerkannt war.

Zum staatlichen, arbeitsfreien Feiertag wurde der 11. November erst im Jahr 1937. In der  "Zweiten Republik" wurde er nur bis 1939 begannen. Nach dem 2. Weltkrieg erklörte die Volksrepublik Polen den 22. Juli zum Natinalfeiertag. Erst im Jahr 1989 wurde der 11. November wieder ein Staatsfeiertag.

Das Kongresspolen
Nach der Niederlage Napoleons wurde Polen auf dem Wiener Kongress in sechs territoriale Einheiten zerstückelt. U.a. schuf man im April 1815 ein neues polnisches Königreich, das so genannte Kongresspolen (poln. kongresówka). Es zählte ca. 120.000 Quadratkilometer und bestand im Wesentlichen aus dem Großherzogtum Warschau. Es unterstand der russischen Zarenkrone.


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