[2009-02-04]DEUTSCH-POLNISCHE CHRONIK JANUAR 2009

Autor: Redaktion

29.01. 
Das Portal Point. Der deutsch-polnische Kalender launcht die Seite "Jahrestage 2009", die die wichtigsten Termine und Veranstaltungen des Gedenkjahres 2009 präsentiert. Mit einer einzigartigen Fülle gemeinsamer Veranstaltungen erinnern Deutsche und Polen in diesem Jahr an die umwälzenden Ereignisse des Jahres 1989 und den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren am 1. September 1939.

29.01.
Nach einem Treffen mit dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos zeigt sich Ministerpräsident Donald Tusk optimistisch, dass Russland von einer Raketenstationierung im Gebiet Kaliningrad (Königsberg) an der polnischen Grenze als Antwort auf das geplante amerikanisch-polnische Raketenabwehrschild Abstand nehmen werde. Darüber hinaus habe Putin eine Einladung nach Warschau angenommen. Beide Politiker werten das Treff en als Beginn der Verbesserung der Beziehungen zwischen Russland und Polen.

27.01.
Ministerpräsident Donald Tusk teilt mit, dass aufgrund der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auf 1,7 Prozent geschätzt wird, statt wie angenommen auf 3,7 Prozent. Um das veranschlagte Haushaltsdefizit nicht zu vergrößern, fordert er die Ministerien auf, Einsparmöglichkeiten in Höhe von insgesamt 17 Mrd. Złoty zu finden.

27.01.
Im Rahmen der Gedenkveranstaltung aus Anlass des 64. Jahrestages der Befreiung des nationalsozialistischen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau appellieren ehemalige Häftlinge an die Europäsche Union, die dringend notwendigen Konservierungsarbeiten finanziell zu unterstützten. Auschwitz gehöre zum historischen Erbe Europas und verpflichte die europäischen Gesellschaften, den Ort als Zeugnis zu erhalten. Für anstehende Renovierungsvorhaben brauche die Gedenkstätte 200 Millionen Złoty (rund 50 Millionen Euro).

22.01.
Ein Archiv mit rund 600 Interviews ehemaliger Zwangsarbeiter in Deutschland geht unter www.zwangsarbeit-archiv.de online. Das Portal "Zwangsarbeit 1939 - 1945" soll die Erinnerung an die mehr als zwölf Millionen Menschen wach halten, die für Nazi-Deutschland Zwangsarbeit leisten mussten. In ausführlichen Audio- und Video-Interviews erzählen die Opfer der Nazi-Diktatur ihre Lebensgeschichte.

22.01.
Die Tageszeitung "Rzeczpospolita" berichtet über die Vorbereitungen zur Ausstellung des Deutschen Historischen Museums, die ab dem 28. Mai im Berliner Zeughaus die Geschichte der deutsch-polnischen Beziehungen von den Teilungen Polens im 18. Jahrhundert bis heute darstellen wird. Einen zentralen Platz innerhalb der Ausstellung werde die Besetzung Polens während des Zweiten Weltkriegs einnehmen. Das letzte Kapitel der Ausstellung beginne mit der „Flucht der Deutschen vor der Roten Armee aus den heutigen Gebieten Polens“ und führe bis in die Gegenwart.

20.01.
Ministerpräsident Donald Tusk nimmt das Rücktrittsgesuch von Justizminister Zbigniew Ćwiąkalski an und entlässt Landesstaatsanwalt Marek Staszak, den für das Gefägniswesen verantwortlichen stellvertretenden Justizminister Marian Cichosz, den Direktor des Strafvollzugs, Jacek Pomiankiewicz, und den Płocker Gefängnisdirektor Artur Kowalski. Hintergrund ist der Selbstmord eines im Gefängnis in Płock Inhaftierten, der wegen Mordes an dem Jungunternehmer Krzysztof Olewnik im Jahr 2003 einsaß. Im selben Fall hatte es bereits zwei Selbstmorde von Verurteilten gegeben.

20.01.
Die polnische Regierung stellt bei einer Feierlichkeit im Warschauer Opernhaus ihre Planungen für das Gedenkjahr 2009 vor, das unter dem Motto „Poland - first to fight. 1939 - 1989 begann in Polen“ steht. Der Vorsitzende des Ehrenkomitees der Feierlichkeiten, Staatssekretär Bartoszewski, erklärt in Anwesenheit des Ministerpräsidenten Tusk die Gedenkveranstaltungen erstrecken sich über das gesamte Jahr, zentraler Punkt des Gedenkjahres werde die Erinnerungsfeier zum 70. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs am 1. September in Danzig sein.

19.01.
Bundeskanzlerin Merkel schildert in einem ganzseitigen Namensbeitrag für die "Gazeta Wyborcza" das Engagement der Bundesregierung bei der Bekämpfung der Wirtschaftskrise und ruft dazu auf, die Krise als Chance zur Modernisierung Europas zu nutzen. Deutschland werde weiterhin eine wichtige Rolle bei der Gestaltung einer neuen Weltwirtschaftsordnung spielen.

18.01.
Der Fraktionsvorsitzende der Bürgerplattform (Platforma Obywatelska – PO), Zbigniew Chlebowski, spricht sich wegen der polnischen EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte 2011 dafür aus, die polnischen Parlamentswahlen auf das Frühjahr 2011 vorzuverlegen.

17.01.
„Deutsche klauen polnische Kinder!“ titelt das Boulevardblatt Super-Express den Aufmacher seiner Wochenendausgabe. Tausende von Polen, die mit ihren ehemaligen deutschen Partnern um ihre gemeinsamen Kinder kämpften, seien den „allmächtigen Jugendämtern“ ausgesetzt, die Polen diskriminierten und „auf brutale Weise“ den Kontakt mit ihren Kindern verweigerten, so das Blatt. Als Beispiel wird der Fall der Krakauerin Beate Mosebach geschildert, die ihren Sohn aus Deutschland nach Krakau mitnahm und dafür mit europäischem Haftbefehl gesucht und in Polen verhaftet wurde. Jetzt sei ihr aber die Krakauer Staatsanwaltschaft zur Hilfe gekommen, die überzeugt sei, dass Frau Mosebach keine Kriminelle sei. Die Krakauer Staatsanwältin Boguslawa Marcinkowska erklärt, die Mutter habe keinerlei polnische Gesetze gebrochen.

14.01 
Blerins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit würdigt im Interview mit der "Gazeta Wyborcza" die Verdienste der „Solidarność“ für die Wiedervereinigung Deutschlands. „Deutschland ist dafür den Polen bis heute sehr dankbar. Lech Wałęsa ist für uns immer noch ein Symbol“.

13.01.
Die Regierung verabschiedet eine Entschließung zur Energiesicherheit, die vorsieht, dass bis 2020 mindestens ein Atomkraftwerk entstehen soll. Als mögliche Partner für das Bauvorhaben nennt Ministerpräsident Donald Tusk Frankreich und Südkorea; auch Firmen aus den Vereinigten Staaten, Kanada und Japan seien interessiert. Als Standort sei u.a. Żarnowiec an der Ostseeküste im Gespräch, wo zur Zeit der Volksrepublik bereits ein Atomkraftwerk vorgesehen war.

10.01.
Adam Krzemiński analysiert in der "Gazeta Wyborcza" ausführlich den Stand der deutsch-polnischen Beziehungen zu Beginn des Gedenkjahres 2009 und bekräftigt dabei seinen Wunsch nach einer gemeinsamen Debatte des Deutschen Bundestages und des Sejm. Damit könne man Europa zeigen, dass die Politiker beider Länder sich wirklich der neuen Bedeutung der (deutsch-polnischen) Nachbarschaft bewusst seien.

05.01. 
In Marienburg (Malbork) im Norden Polens wird ein Massengrab mit mindestens 1.800 Zivilisten entdeckt. Bei den Toten handelt sich um Deutsche, die Anfang 1945 bei Kämpfen zwischen deutschen und sowjetischen Truppen getötet worden seien.

02.01.
In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts CBOS (Centrum Badania Opinii Społecznej) nach dem Politiker des Jahres 2008 nennen 18 Prozent Ministerpräsident Donald Tusk, gefolgt von Außenminister Radosław Sikorski (9 Prozent) und Staatspräsident Lech Kaczyński (6 Prozent). 24 Prozent der Befragten geben keinem Politiker den Titel "Politiker des Jahres".


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