[2009-07-02]DEUTSCH-POLNISCHE CHRONIK JUNI 2009

Autor: Redaktion

29.06.

Der polnische Staatskonzern Polnischer Erdöl- und Gasbergbau PGNiG unterzeichnet mit LNG Qatargas aus dem Emirat Katar einen Vertrag. Danach soll Polen von 2014 an 1,5 Milliarden Kubikmeter Flüssiggas jährlich erhalten. Der Vertrag gilt bis 2034, sein Wert beträgt jährlich rund 500 Millionen Dollar.

24.06.

Der Widerstandsheld Heinrich Graf Lehndorff ist an seinem masurischen Heimatort Sztynort (Steinort) gemeinsam von Deutschen und Polen geehrt worden. Zu seinem 100. Geburtstag enthüllten Familienmitglieder vor dem ehemaligen Familiensitz einen Gedenkstein. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 war Heinrich Graf Lehndorff festgenommen und am 4. September in Berlin Plötzensee erhängt worden.

19.06.
Laut einer Umfrage des Forschungszentrums für öffentliche Meinung (CBOS) zur Haltung der Menschen zur kommunistischen Volksrepublik, möchte eine Mehrheit nicht mit der sozialistischen Diktatur abrechnen. Piotr Skwieciński, erklärt das Ergebnis in der Tageszeitung Rzeczpospolita. "Seit Jahren wird die Volksrepublik in sämtlichen Meinungsumfragen immer schlechter bewertet. Und es gab zumindest einen kritischen Abstand zu diesem Zeitraum. Es gab auch Anhänger der Idee, die geheimen Akten [der Staatssicherheit] aufzudecken. Und nun auf einmal eine so plötzliche Kehrtwende. Etwas mehr (44 Prozent) bewerten die Volksrepublik eher positiv als negativ (43 Prozent). In der vorangegangenen Umfrage vor acht Jahren hatten noch 47 Prozent die Volksrepublik kritisch bewertet.

18.06.
In Stettin werden die 12. Deutsch-Polnischen Journalistenpreise verliehen. Ausgezeichnet werden: Włodzimierz Nowak (Gazeta Wyborcza) in der Kategorie "Presse" für "Auf der anderen Seite der Briefmarke". Alicja Kulik (Polskie Radio Olsztyn) in der Kategorie "Hörfunk" für das Feature "Am Anfang gab es nur einen Traum" und in der Kategorie "Fernsehen" Martin Schöne und Tobias Gohlis (ZDF Infokanal) für "Tod in Breslau - Crime time: Marek Krajewski". Die Preisgala findet im Rahmen der 2. Deutsch-Polnischen Medientage satt, die 2009 unter dem Motto '20 Jahre später...' stehen und rund 300 Teilnehmern die Gelegenheit geben, den Zeitzeugen der damaligen Ereignisse aus Polen und Deutschland zu begegnen.

16.-17.06.
Die Präsidien des Deutschen Bundestages und des polnischen Sejm kommen in Berlin zusammen. Der Höhepunkt der diesjährigen Begegnung ist die Enthüllung einer Tafel zur Erinnerung an den Beitrag von „Solidarność“ und Polen zur Freiheit und Einheit in Europa durch die beiden Parlamentspräsidenten, Prof. Dr. Norbert Lammert und Bronisław Komorowski.

10.06.
Das Innenministerium erinnert daran, dass in Polen ab dem 29.06. 2009 biometrische Pässe eingeführt werden. Grundlage ist eine EU-Bestimmung vom Dezember 2004.

08.06.
Auf Einladung des Deutschen Polen-Instituts (Darmstadt) beginnt der ehemalige Staatspräsident Lech Wałęsa einen zweitägigen Deutschlandbesuch, in dessen Verlauf er in Darmstadt mit der ehemaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ein Podiumsgespräch über die Bedeutung der Solidarität zwanzig Jahre nach dem Umbruch führt; das Gespräch wird am 09.06. in Berlin fortgesetzt. Wałęsa wird am 09.06. von Bundespräsident Horst Köhler in Schloss Bellevue empfangen und erhält im Rahmen eines Empfangs im Roten Rathaus aus der Hand des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, die Ernst Reuter-Plakette als Auszeichnung für seinen Freiheitskampf.

08.06.
Die Staatliche Wahlkommission (Państwowa Komisja Wyborcza – PKW) gibt das Ergebnis der Wahl zum Europäischen Parlament am Vortag bekannt. Bei einer Wahlbeteiligung von 24,53 % hat die Bürgerplattform (Platforma Obywatelska – PO) 44,4 %, Recht und Gerechtigkeit (Prawo i Sprawiedliwość – PiS) 27,4 %, das Bündnis aus Demokratischer Linksallianz (Sojusz Lewicy Demokratycznej – SLD) und Arbeitsunion (Unia Pracy – UP) 12,3 % und die Polnische Bauernpartei (Polskie Stronnictwo Ludowe – PSL) 7 % der Stimmen erhalten. Damit erhält die PO 25 (2004: 15) Sitze im Europäischen Parlament, PiS 15 (2004: 7), SLD 7 (2004: 6) und PSL 3 (2004: 4).

06.06. – 08.06.
In Warschau und Danzig (13.-15.6.) erinnert die multimediale Ausstellung "20 Jahre Freiheit: Deutschland sagt Danke!“ an den Mut und beharrlichen Freiheitswillen der Menschen sowie an die kluge und friedliche Politik der Bürgerrechtsbewegungen, die den „Eisernen Vorhang“ zu Fall brachten. Das Projekt wurde vom Auswärtige Amt zusammen mit zahlreichen Partnern aus Polen, Ungarn, der Tschechischen Republik und der Slowakei konzipiert. Im Zentrum steht ein multimedialer Ausstellungspavillon in Form von mehreren begehbaren Würfeln und einer Aktionsbühne. In den Würfeln werden u .a. Fotographien wichtige Wegmarken der friedlichen Revolution gezeigt: der Runde Tisch in Polen, die Grenzöffnung in Ungarn im Juni 1989, die Samtene Revolution in der Tschechoslowakei, die Ausreise der Prager Botschaftsflüchtlinge. Neben Warschau und Danzig ist die Wanderausstellung in Bratislava und Budapest zu sehen.

04.06.
Aus Anlass des 20. Jahrestages der halbfreien Wahlen am 4. Juni 1989 findet auf dem Wawel in Krakau die von der Regierung ausgerichtete Feier statt, an der neben Ministerpräsident Donald Tusk und weiteren Regierungsvertretern der ehemalige Staatspräsident Lech Wałęsa, der ehemalige Staatspräsident der polnischen Exilregierung in London, Ryszard Kaczorowski, der ehemalige Staatspräsident Aleksander Kwaśniewski, Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ukrainische Ministerpräsidentin Julia Timoschenko und der ehemalige tschechoslowakische und tschechische Staatspräsident Václav Havel teilnehmen. Bundeskanzlerin Merkel hebt in ihrer Ansprache hervor, dass die Deutschen den Freunden in Polen, Ungarn und der ehemaligen Tschechoslowakei zu großem Dank verpflichtet seien, da sie dazu beigetragen hätten, die deutsche Teilung zu überwinden. Der 4. Juni sei nicht nur für Polen ein Festtag, sondern für ganz Europa.

02.06.
Nach einem Gespräch mit Schatzminister Aleksander Grad in Brüssel kündigt die EU-Kommissarin für Wettbewerb, Neelie Kroes, an, dass der von Polen vorgelegte Plan zur Restrukturierung der Danziger Werft akzeptiert werde.

01.06.
Polnische Medien diskutieren weiter kritisch den vor einigen Wochen erschienenen Titel "Die Komplizen" des deutschen Nachrichtenmagazins Der Spiegel, der die Mittäterschaft Nicht-Deutscher am Holocaust thematisiert hatte. Der ehemalige polnische Außenminister Adam Daniel Rotfeld analysiert im Spiegel den polnischen Umgang mit der Geschichte: "In den europäischen Schulbüchern zur Geschichte findet sich wenig über den polnischen Beitrag zur Überwindung des Kommunismus. ... Polen kämpften an allen Fronten gegen die Nazis, vom ersten bis zum letzten Tag; der Zahl nach war dieses Heer das größte, wenn wir einmal die Armeen der drei großen Mächte Sowjetunion, Vereinigte Staaten und Großbritannien außer Acht lassen. ... Ignoranz und Ahnungslosigkeit, was die polnische Geschichte betrifft - nicht nur, aber besonders bei den Deutschen -, das sehen die Polen als Geringschätzung oder gar bewusste Fälschung an. Ganz besonders ist das der Fall, wenn die deutschen Todeslager der Nazis auf besetztem polnischem Territorium in den ausländischen Medien mitunter 'die polnischen Konzentrationslager' genannt werden. ... Solche Unterstellungen werden in Polen als bewusster und übelmeinender Versuch gewertet, die Geschichte umzuschreiben."


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