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Autor: Redaktion
29.07. Vize-Wirtschaftsminister Kotecki gibt im Senat während der Debatte zur Haushaltsnovelle bekannt, dass Polen 2012 der Eurozone nicht beitreten wird. Mitte August wird die Regierung die Eckpunkte des neuen Fahrplans der Euroeinführung in Polen vorstellen. Als Grund wurde die aktuelle „makroökonomische Situation“ angegeben. Laut Kotecki sei 2014 der erste realistische Termin für die Euroeinführung.
29.07. Der Dalai Lama wird zum 51. Ehrenbürger der polnischen Hauptstadt Warschau ernannt. Bürgermeisterin Hanna Gronkiewicz-Waltz verleiht den Titel dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter bei einer Zeremonie im Königsschloss. In seiner Rede würdigt der Dalai Lama die Rolle Polens beim demokratischen Umsturz in Mittel- und Osteuropa. Der Dalai Lama ist der 51. Ehrenbürger der Stadt Warschau. Vor ihm erhielten u. a. Maria Skłodowska-Curie, Papst Johannes Paul II, Władysław Bartoszewski, Marek Edelman, Norman Davis und Lech Wałęsa diesen Ehrentitel.
27.07. Das Magazin "Newsweek Polska" druckt die Titelgeschichte "[Der Warschauer] Aufstand in den Augen eines Deutschen" bisher in Polen unbekannte Feldpostbriefe des deutschen Wehrmachtssoldaten Peter Stölten ab. Der damals 22-jährige Soldat schildert in seinen Schreiben an die Familie auf erstaunlich ehrliche Art und Weise seine Bewunderung für die Warschauer Aufständischen („Sie kämpften - weiß Gott - besser als wir!“) und kritisiert zugleich die Vorgehensweise der SS-Staffeln. Die deutsche Historikerin Dr. Astrid Irrgang entdeckte diese Briefe durch Zufall und schrieb darüber ihre Dissertation.
27.07. In einem Interview für die "Gazeta Wyborcza" erklärt Innenminister Schetyna, dass Ministerpräsident Donald Tusk noch nicht über eine Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2010 entschieden habe. Nächstes Jahr werde die Regierung schwerpunktmäßig mit der Krisenbekämpfung zu tun haben, vieles hänge davon ab, wie sie damit zurechtkomme.
25.07. Auf Einladung des Goethe-Instituts setzen die Künstler Hofmann&Lindholm in Warschau den historischen Kniefall Willy-Brandts in Szene. Die fotografische Nachbildung dieses Ereignisses wird ab Dezember 2009 im vorläufigen Sitz des Museums für Moderne Kunst zu sehen sein. Die Geste des Bundeskanzlers Willy Brandt im Dezember 1970 vor dem Denkmal für die Opfer des Warschauer Ghettoaufstandes gilt als eine der Bildikonen des 20. Jahrhunderts.
22.07. Die Europäische Kommission genehmigt für die Danziger Werft staatliche Beihilfen in Höhe von rund 250 Millionen Euro mit der Auflage, dort die Produktionskapazitäten abzubauen. Die Verhandlungen zwischen Polen und EU zur Zukunft der Danziger Werft hatten vier Jahre gedauert.
22.07. Zbigniew Brzeziński, Ex-Sicherheitsberater von US-Präsident Jimmy Carter, wird in Washington mit dem Großen Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Der deutsche Botschafter in Washington Klaus Scharioth würdigt den 81-jährigen Brzeziński als einen Brückenbauer zwischen den USA und Deutschland und betonte aber gleichzeitig seinen Beitrag „zur Versöhnung der zwei großen europäischen Nationen – der polnischen und der deutschen“.
21.07. In Białystok wird das Ludwik-Zamenhof-Zentrum eröffnet. Die Einrichtung ist nicht nur ein Museum, sondern auch ein Begegnungszentrum. Esperantisten aus Białystok haben sich schon seit vielen Jahren um die Eröffnung eines solchen Zentrums bemüht. Ludwik Lejzer Zamenhof, der Erfinder der Plansprache Esperanto, wurde am 19. Dezember 1859 in Białystok geboren. Esperanto ist die am weitesten verbreitete internationale Plansprache. Weltweit gibt es rund zwei Millionen Esperantosprecher. 20.07. Polen gehört zu den EU-Ländern, in denen nur relativ wenig ausländische Studenten ein oder mehrere Semester eine polnische Hochschule besuchen. Nach Informationen des Bildungsministeriums in Warschau studieren im ganzen Lande gerade einmal 14 000 Ausländer. Mit einem Anteil von 0.5 Prozent ausländischer Studenten bildet Polen somit in der EU das Schlusslicht. In Tschechien oder Ungarn studieren prozentuell 12- bzw. achtmal so viele Ausländer.
18.07. Im Alter von 81 Jahren stirbt in der britischen Universitätsstadt Oxford der Philosoph Leszek Kołakowski. Zu seinen bekanntesten Publikationen gehörten: "Der Mensch ohne Alternative" und "Hauptströmungen des Marxismus". Für seine kritischen Studien zum Marxismus war er u.a. 1977 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. 14.07. Der ehemalige polnische Regierungschef Jerzy Buzek ist neuer EU-Parlamentspräsident. Der 69-Jährige wurde zum Nachfolger von Hans-Gert Pöttering gewählt. Buzek erhielt in Straßburg mit 555 Stimmen bereits im ersten Wahlgang die erforderliche Mehrheit. Damit steht erstmals seit dem Fall des Eisernen Vorhangs ein Osteuropäer an der Spitze des Europäischen Parlaments. 14.07. Der polnische Regisseur Tomasz Bagiński realisiert einen computeranimierten Film über den Warschauer Aufstand 1944 mit dem Titel „Hardkor 44“. Der Spielfilm wird sich mit den damaligen Ereignissen auf eine völlig neue Art und Weise auseinandersetzen. Das Projekt wird zusammen mit dem Filmstudio Platige Image und dem Museum des Warschauer Aufstands realisiert. Der Film soll Ende 2012 in die Kinos kommen. 13.07. Bundespräsident Horst Köhler setzt mit seinem Besuch in Polen ein starkes Signal für die Aussöhnung und Partnerschaft mit dem osteuropäischen Nachbarland. Es ist Köhlers erste Auslandsreise nach seiner Wiederwahl zum Bundespräsidenten. Damit wolle er ein Zeichen setzen, dass ihm Polen am Herzen liege, so Köhler nach dem Treffen mit Polens Staatsoberhaupt Lech Kaczyński in Warschau. In einem Interview für die polnische Zeitung "Gazeta Wyborcza" sagt Köhler, er fühle sich nicht als Vertriebener. "Die Geschichte meiner Familie ist von Umsiedlung und Flucht bestimmt, nicht von Vertreibung", betonte er. Köhlers Familie war im Zweiten Weltkrieg nach dem Hitler-Stalin-Pakt aus Bessarabien in Rumänien nach Skierbieszow im damals deutsch besetzten Polen umgesiedelt worden. 12.07. Ministerpräsident Donald Tusk besucht gemeinsam mit Jerzy Buzek den scheidenden EU-Parlamentspräsidenten Hans-Gert Pöttering in dessen Heimatstadt Osnabrück. Beide wollen sich für die Unterstützung Pötterings bei der Bewerbung Buzeks um das Amt des Vorsitzenden des EP bedanken. Pöttering sei ein „Freund Polens und der Polen“, so Tusk, wie kaum ein anderer in Europa habe er dazu beigetragen, dass sich die neuen Mitgliedsländer der EU in Europa wie zuhause fühlten. 11.07. Die Gazeta Wyborcza veröffentlicht ein bislang noch unbekanntes Interview mit dem im Juli 2008 verstorbenen ehemaligen Außenminister Bronislaw Geremek zum Stand der deutsch-polnischen Beziehungen und der europäischen Integration. Geremek bedauert darin zwei Monate vor seinem Tod, die beiden EU-Gründerstaaten Frankreich und Deutschland seien vom europäischen Geist abgekommen und verfolgten in egoistischer Weise nationale Ziele: „Die einzige Wirklichkeit in Europa ist heute das nationale Interesse“. So trage Deutschland z.B. in der Gestaltung seiner Beziehungen zu Russland nur den eigenen Interessen Rechnung, nicht den europäischen. Die deutsch-polnische Aussöhnung nennt Geremek „eines der Wunder meines Lebens“. 10.07. Der Gründungsdirektor des geplanten Danziger Museums zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs, Paweł Machcewicz, erklärt im Interview mit der Tageszeitung “Polska. The Times“, dass das Museum die unterschiedlichen historischen Erinnerungen der Europäer zusammen bringen solle. Der Westen habe keine sowjetische Besatzung erlebt und erinnere sich an 1945 als das Jahr der Befreiung – für Polen sei 1945 der Anfang einer neuen Unfreiheit gewesen. „Der Bau dieses Museums durch Polen ist ein bewusster und notwendiger Schritt, um diese beiden Pole der europäischen Erinnerung einander anzunähern. [...] Wir haben den Ehrgeiz, dieses Museum zum wichtigsten Museum zu diesem Thema in Europa zu machen.“ Der Grundstein wird am 1. September gelegt werden. 10.07. Unter Leitung von Kulturstaatsminister Bernd Neumann bestellt der Stiftungsrat der "Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung" Prof. Dr. Manfred Kittel mit großer Mehrheit zum ersten Direktor. Zu den Hauptaufgaben des neuen Direktors werden zunächst die Weiterentwicklung und Realisierung des Konzepts der Ausstellungs- und Dokumentationsstätte und die Betreuung des Bauvorhabens im Deutschlandhaus gehören. Kittel ist derzeit Professor für Neuere und Neueste Geschichte am Institut für Zeitgeschichte (IfZ) München und an der Universität Regensburg. “Mit Manfred Kittel konnten wir eine besonders erfahrene Persönlichkeit für diese Aufgabe gewinnen. Mit seiner ausgewiesenen Sachkenntnis und Erfahrung bei der Thematik Flucht und Vertreibung bringt er die besten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Aufbau der Dokumentationsstätte mit“, so Neumann. 06.07. Newsweek Polska widmet seinen Aufmacher der Tätigkeit der Stasi in Polen, insbesondere der in der DDR-Botschaft befindlichen „Operationsgruppe Warschau“. Insgesamt habe die Stasi über 1000 Seiten Berichtsmaterial über die polnische Opposition zusammengestellt, u.a. auch über die damalige Tätigkeit von Regierungschef Donald Tusk und Senatsmarschall Borusewicz. 01.07. Die Wochenzeitung “Polityka“ kritisiert im Dossier „Polen – Land ohne Gesicht“ die unzureichenden Anstrengungen der Regierung zur polnischen Image-Pflege im Ausland. 20 Jahre nach der Wende sei Polen für den Rest Europas immer noch ein „unbeschriebenes Blatt“. Zwar habe das Außenministerium den Wert der „Public Diplomacy“ für sich entdeckt doch führten die polnischen Initiativen oft in die falsche Richtung: Anstatt Polen als modernes Land mit dynamischem Wirtschaftswachstum zu vermarkten, werde vor allem Polens tragische Geschichte bekannt gemacht. Als Beispiel erfolgreicher Public Diplomacy nennt „Polityka“ die Initiative des Auswärtigen Amts „20 Jahre Freiheit in Europa – Deutschland sagt danke!“.
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