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Autor: Redaktion | Paul-Richard Gromnitza
Am 24. Oktober 1938 unterbreitete Adolf Hitler in einer Regierungsrede der polnischen Regierung unter Edward Rydz-Śmigły eine "Globallösung". Laut dieser sollte die Freie Stadt Danzig an Deutschland fallen. Zudem bestand Berlin auf eine Verbindung nach Ostpreußen durch den polnischen "Korridor" mittels einer exterritorialen Eisenbahn und Autobahn.
Hitler bot im Oktober 1938 sogar eine Anerkennung der deutsch-polnischen Grenze und die Verlängerung des Nichtangriffspaktes von 1934 an. Polens damaliger Außenminister Józef Beck reagierte auf Hitlers Angebot u.a. in einer Rede am 5. Mai 1939. Beck erklärte, dass Polen einen Frieden nicht "um jeden Preis" akzeptieren könne, denn das verbiete die nationale Ehre. Polen war nicht allein. Schon vorher waren Hitlers immer unverhohlener gezeigten Expansionspläne bei der britischen Führung unter Chamberlain auf Widerstand gestoßen.
Fingierter Angriff auf den Sender Gleiwitz
Am 30. März 1939 erklärte London gegenüber Polen im Falle eines Angriffs eine "Garantie der nationalen Integrität". Diese Beistandsgarantie beruhte auf vier Annahmen, die sich leider alle als falsch erweisen sollten. London ging davon aus, dass Polen eine bedeutende Militärmacht sei und dass Frankreich und Großbritannien zusammen stark genug seien, um Deutschland ohne die Hilfe weiterer Verbündeter zu schlagen. Fatal täuschte sich London bei der Einschätzung der Sowjetunion, denn London mutmaßte, dass Stalin ein Interesse an der Aufrechterhaltung des Status quo in Osteuropa habe und einer Anti-Hilter-Koalition beitreten werde.
Am 19. Mai folgte zudem eine französisch-polnische Militärkonvention, obwohl zu der Zeit in Frankreich auch antipolnische Stimmungen auszumachen waren. Nicht nur der damalige Minister Déat fragte, ob man für Danzig wirklich sterben wolle. Dennoch verpflichtete sich Paris, Deutschland spätestens am 15. Tag nach einer Mobilmachung anzugreifen. Nur zwei Tage nach dem Zustandekommen des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts kam es am 25. August 1939 zu einem britisch-polnischen Beistandspakt. Diese britische Garantie veranlasste Hitler noch einmal, den Angriffsbefehl auf Polen zurückzuziehen. Doch am 29. August wurde Polen - und damit auch England - ein Ultimatum gestellt, das am 31. August ablief. Einen propagandistisch wirksamen Kriegsgrund lieferten die von SS-Angehörigen in polnischen Uniformen fingierten Überfälle auf den deutschen Rundfunksender Gleiwitz, ein oberschlesisches Forsthaus und ein Zollamt.
Adolf Hitler am 22. August 1939 "So habe ich meine Totenkopfverbände bereitgestellt mit dem Befehl, unbarmherzig (...) Mann, Weib und Kind polnischer Abstammung und Sprache in den Tod zu schicken. Nur so gewinnen wir Lebensraum, den wir brauchen. Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier?" Aus: Deutsche und Polen
"Fall Weiß"
Nach diesen "Provokationen" erfolgte unter dem Decknamen "Fall Weiß" am 1. September um 4.45 Uhr der Angriff der Wehrmacht entlang der gesamten deutsch-polnischen Grenze. Polen war nicht unvorbereitet und hatte eine Teilmobilisierung eingeleitet. Den 1,5 Millionen deutschen Soldaten mit ihrer modernen Ausrüstung und dem massiven Einsatz von Panzerverbänden und Luftwaffe konnte die polnische Armee jedoch wenig entgegen setzen. Polens Niederlage wurde auch dadurch begünstigt, dass weder Großbritannien noch Frankreich trotz ihrer Kriegserklärung Polen militärisch zur Hilfe kamen. Sie beschränkten sich auf den Abwurf von Flugblättern, um den deutschen Angriff zu verurteilen.
Deutschland und die Sowjetunion teilen Polen auf
Während die Wehrmacht von Westen her einmarschierte, rückte am 17. September 1939 die Rote Armee von Osten her vor. Laut dem deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt trafen sich die beiden Armeen an der Demarkationslinie, die Polen unter Deutschland und der Sowjetunion aufteilte. Nach schweren Luftangriffen und einem ununterbrochenen Artilleriebeschuss kapitulierte Warschau am 27. September 1939. Über 60.000 polnische Soldaten waren gefallen, ca. 900.000 Polen gerieten in deutsche bzw. sowjetische Kriegsgefangenschaft. Am 28. September unterzeichneten der deutsche und der sowjetische Außenminister in Moskau einen Grenzvertrag, um Polen endgültig aufzuteilen. Laut diesem Vertrag erhielt das Dritte Reich fast alle ethnisch polnischen Gebiete (48,4 Prozent des Staatsgebiets) und die UdSSR bekam Ostpolen (51,6 Prozent) zugeschlagen. Ein Erlass Hitlers "zur Festigung des deutschen Volkstums" vom 7. Oktober 1939 schuf die Voraussetzung für umfangreiche Umsiedlungen. So wurden u. a. Baltendeutsche und Südtiroler in die neu geschaffenen "Reichsgaue" Danzig-Westpreußen, Warthegau-Posen und Litzmannstadt gebracht. Die polnischen Juden (ca. 3 Millionen) wurden zunächst in Ghettos interniert und die polnische Bevölkerung nach Zentralpolen deportiert, das ab Oktober 1939 im so genannten Generalgouvernement (GG) unter dem Gouverneur Hans Frank zusammengefasst wurde.
Für Danzig sterben?
Das Schlagwort "Mourir pour Dantzig?'" (Sterben für Danzig?) geht auf den damaligen französischen Minister für Luftfahrt, Marcel Déat, zurück und stammt aus einem Artikel im "L'Oeuvre" vom 4. Mai 1939. Die rhetorische Frage "Mourir pour Dantzig?" wurde zum Schlagwort pazifistischer Franzosen, die die spätere Kriegserklärung Frankreichs an Deutschland ablehnten. Déat schrieb u. a.: "Jetzt etwa wegen Danzig Europa einen Krieg anzuhängen, ist ein wenig stark, und die französischen Bauern haben keinerlei Lust, für die Polen zu sterben."
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