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Autor: Paul-Richard Gromnitza
In Warschau entstehen in den nächsten fünf Jahren gleich sechs neue Museen. Dafür investiert die Stadt rund zwei Milliarden Z³oty (ca. 500 Millionen Euro) in ihre neue Museumslandschaft. Bei dem Warschauer “Museumsboom“ spielen üppige EU-Mittel eine wichtige Rolle, denn dank Brüssel sind jetzt erst viele Bauten finanzierbar geworden.
Es ist wohl zurzeit ein ziemlich einzigartiger Vorgang, der europaweit wohl seinesgleichen sucht. Eine Hauptstadt erfindet ihre Museums-Infrastruktur neu. Es ist nicht so, dass sich manche Lokalpolitiker nicht insgeheim auch einen "Bilbao-Effekt" für Warschau wünschten, denn man wohl am ehesten mit dem Neubau der Geschichte der Geschichte der polnischen Juden dank des spektakulären Entwurfs des finnischen Architektenduos Lahdelma & Mahlamäki (s. Bild unten) erzielen könnte. Der Bau, der 250 Millionen Z³oty kosten wird, könnte ab 2013 schnell zum Publikumsmagneten avancieren, aber nicht nur wegen seiner architektonischen Kühnheit, sondern aus einem ganzen einfachen Grund: Dank eines narrativen Konzepts wird er innovativ die 1000-jährige Geschichte des Judentums in Polen erzählen.

Ganz anders sieht es bei den restlichen Vorhaben aus. Oder wer kommt eigens nach Warschau gereist, um sich das Wissenschaftszentrum „Kopernikus“ (Eröffnung Ende 2010, Kosten: 365 Millionen Z³oty, EU-Anteil: 207 Millionen) oder das Museum der Polnischen Armee (2015, Kosten: 480 Millionen Z³oty) anzusehen? Da mag der Bau noch so atemberaubend sein, die Besucher wollen auch eine erstklassige Sammlung sehen. Das wird in Warschau nicht immer der Fall sein. Aber beim Warschauer “Museumsboom“ spielen andere Gründe eine Rolle. Die neuen Museen entstehen, da sie entweder gebraucht werden oder politisch jahrzehntelang nicht durchsetzbar waren. Bestes Beispiel ist das Museum der Geschichte Polens (Eröffnung 2013, Kosten: 350 Millionen Z³oty), das zuerst lange konzipiert wurde und mittlerweile virtuell arbeitet, wo allerdings jahrelange nach einem passenden Ort in Warschau gesucht wurde. Mittlerweile hat man eine etwas ungewöhnliche Lösung gefunden worden. Das Museum soll auf einer Plattform über einer Stadtautobahn nach dem etwas biederen Entwurf des Luxemburger Büros Paczowski et Fritsch entstehen. Ob das Museum wirklich bis 2013 erbaut wird, ist jedoch fraglich.

Außer Frage steht hingegen, dass im Chopinjahr das runderneuerte und um einen Neubau erweiterte Chopinmuseum (Kosten: 81 Millionen Z³oty, EU-Anteil: 31 Millionen) mit der weltweit größten Chopinkollektion (7000 Ausstellungsstücke) seine Tore öffnen wird. Nur der Termin 1. März 2010 ist wegen massiver Wasserschäden nicht zu halten. Das Museum ist im Chopinjahr natürlich ein Selbstläufer und auch nach dem Jahr dürfte der Andrang kaum nachlassen. Wie sehr das Museum für Moderne Kunst (2014, Kosten: 270 Millionen Z³oty) sich bei den Besuchern eines regen Interesses erfreuen wird, bleibt abzuwarten.
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