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Autor: Redaktion | grom
Bevor er Papst Johannes Paul II. wurde, war er als Karol Józef Wojtyła, so sein bürgerlicher Name, Kardinal in Krakau. In einem dreiteiligen Porträt stellen wir ihn näher vor. Der dritte und letzte Teil der Wojtyła-Biographie widmet sich dem jungen Theologen Wojtyła, der eigentlich eine wissenschaftliche Karriere angestrebt hatte.
Studium in Rom
Nach seiner vorgezogenen Priesterweihe am 1. November 1946 verlässt der junge Priester Wojtyła auf Wunsch des Kardinals Adam Stefan Sapieha Krakau in Richtung Rom, um dort am Angelicum seine theologischen Studien fortzusetzen. Ganze zwei Jahre bleibt der Jungpriester Wojtyła in Rom. Anfänglich wohnt er noch bei den Pallotinern in der Via Pettinari. Erst im Dezember 1946 findet er Aufnahme im Belgischen Kolleg in der Via del Quirinale 26. Durch seinen Aufenthalt im Belgischen Kolleg hat Karol Wojtyła Französisch zu üben. Natürlich erlernt er gleichzeitig auch Italienisch. Im Sommer 1947 besteht er das Lizenziat, das theologische Abschlussexamen. Angeregt von Kardinal Sapieha besucht er im Sommer polnische Gemeinden (die so genannte Polonia) in Holland, Belgien und Frankreich, um sich anzusehen, wie dort die Seelsorge in den Großstädten aussieht. Im Oktober 1947 beginnt das zweite Studienjahr. Karol Wojtyła hört nicht allein Vorlesungen, er arbeitet zudem - angeregt durch seinen geistigen Mentor Jan Tyranowski - an seiner Doktorarbeit zum Thema: "Der Begriff des Glaubens beim Hl. Johannes von Kreuz.“ Im Juni 1948 legt er das Examen ad lauream ab und verteidigt die Thesen seiner Dissertation.
Seelsorger und Dichter in Krakau
Nach seiner Rückkehr nach Krakau im Juli 1948 wird er als Kaplan nach Niegowić, einem Dorf etwa 50 Kilometer von Krakau entfernt geschickt. Karol Wojtyłas Tage in Niegowić, er bleibt bis August 1949, sind lang und strapaziös. Frühmorgens hält er die Messe, dann fährt er abwechselnd in die Schulen der vier zur Landpfarrei gehörenden Dörfer, um Religionsunterricht zu geben. Danach kümmert er sich um die Gemeinden. Kardinal Sapieha holt Karol Wojtyła nach nur einem Jahr zurück. Er fängt als Studentenseelsorger in der Krakauer Gemeinde St. Florian an. Neben seinen Tätigkeiten in St. Florian engagiert sich Wojtyła erneut für den „Lebendigen Rosenkranz“ - Jan Tyranowski verstarb bereits 1947 –und er dichtet auch. In der katholischen Wochenzeitung „Tygodnik Powszechny“ veröffentlicht er 1950 den Gedichtzyklus „Pieśń o blasku wody“ (Das Lied vom Glanz des Wassers). Im Juli 1951 stirbt Kardinal Sapieha, sein Nachfolger Erzbischof Eugeniusz Baziak lädt Wojtyła in den Bischofsitz. Über die damalige Begegnung schreibt Wojtyłas langjähriger Vertrauter Mieczysław Maliński: „Der Erzbischof fragte, was er weiter tun wolle: ob ihm die seelsorgliche oder die wissenschaftliche Arbeit zusage. Seine Antwort lautete: das eine wie das andere. Das ließ der Erzbischof nicht gelten: Entweder – oder. Karol zögerte, doch am Ende erklärte er: die wissenschaftliche Arbeit.“
Dozent Wojtyła
Im Sommer 1953 habilitiert er sich mit einer Schrift über das ethische System von Max Scheler. Einen Titel kann ihm die Jagiellonen-Universität, deren Theologische Fakulität 1954 vorrübergehend geschlossen wird, nicht verleihen, weil das Erziehungsministerium dies verweigert. Die 50er Jahre sind ein äußerst schwieriges Jahrzehnt für die katholische Kirche in Polen. So verbietet Warschau den Religionsunterricht an den Schulen und im September 1953 wird der polnische Primas Kardinal Stefan Wyszyński, dem Regime schon lange ein Dorn im Auge, verhaftet. Wyszyński bleibt drei Jahre unter Hausarrest. Er kann erst im Oktober 1956 während der Unruhen in Posen sein Amt wieder ausführen.
Karol Wojtyła beginnt an diversen Priesterseminaren sowie an der Katholischen Universität Lublin katholische Sozialethik. Er ist ein ziemlich unkonventioneller Dozent, der im Hörsaal oft lässig eine Fliegermütze trägt und mit seinen Studenten Bergwanderungen, Rad- und Kanutouren unternimmt. Mit nur 31 Jahren erhält Karol Wojtyła 1956 den Lehrstuhl für Ethik in Lublin. Dann tritt etwas ein, mit dem niemand gerechnet hat: 1956 steht Karol Wojtyła mit sechs anderen Kollegen auf der päpstlichen Liste als Anwärter für das Amt des Weihbischofs. Anfang Juli 1958 unterzeichnet Pius XII. seine Ernennungsurkunde zum Weihbischof von Krakau. Karol Wojtyła erfährt von dieser „Beförderung“ allerdings erst zehn Tage später, da er ein studentisches Ferienlager an den Masurischen Seen leitet.
Das Zweite Vatikanum – erste weltweite Beachtung Wojtyłas
Die Konsekration zum Weihbischof findet am 28. September 1958 statt. Wojtyła arbeitet auch danach wissenschaftlich weiter. 1960 erscheint sein beachtetes Werk: „Miłość i odpowiedzialność“ (Liebe und Verantwortung). Bis zu seiner Papstwahl erschienen 15 theologische Traktate aus seiner Feder. Am 5. Oktober 1962 reist Karol Wojtyła nach Rom, um am Zweiten Vatikanischen Konzil teilzunehmen. Das Konzil, das Zweite Vatikanum, markiert eine Öffnung der Kirche zur modernen Welt, somit ist es eines der bedeutendsten Ereignisse in der neueren Kirchengeschichte. Auch für Karol Wojtyła ist das Konzil ein Wendepunkt. Während der vier Sitzungsperioden macht er sich einen Namen, denn sieben Mal ergreift er bei den Vollversammelungen das Wort und gibt zudem 13 schriftliche Stellungnahmen ab. Sein Biograph und enger Freund Mieczysław Maliński mutmaßt: „Ohne Konzil wäre sein Leben anders verlaufen. Papst wäre er höchstwahrscheinlich nicht geworden.“ In den Konzilsjahren fällt ein wichtiger Sprung in seiner Laufbahn. Er wird im Dezember 1963 zum Erzbischof und Ordinarius von Krakau ernannt, auch wenn ihn Wyszyński dafür gar nicht vorgesehen hatte. Karol Wojtyła wird von Primas Wyszyński unterschätzt, somit steht er zunächst nicht auf dessen Kandidatenliste. Nachdem Warschau alle Kandidaten abgelehnt hatte, einigte man sich auf Wojtyła, den das kommunistische Regime als „apolitisch und nur pastoral orientiert“ einstuft. Wie sehr sich die Machthaber in ihm getäuscht haben, sollte sich rasch zeigen.
„Feind Nummer eins“
Schon sehr bald wurde der bis dahin „Feind Nummer eins“, nämlich der unbeugsame Kardinal Wyszyński, durch Karol Wojtyła abgelöst. Im November 1965 erarbeitet Erzbischof Wojtyła gemeinsam mit Kardinal Wyszyński und den Erzbischöfen Bolesław Komienek und Jerzy Struba ein denkwürdiges Dokument für die deutsch-polnische Versöhnung. Das Schreiben an das deutsche Episkopat ist eine besondere Geste, man liest u.a. die Worte: „In diesem christlichen und zugleich sehr menschlichen Geist strecken wir unsere Hände zu Ihnen hin in den Bänken des Konzils, gewähren Vergebung und bitten um Vergebung.“ Während der Brief ein positives Echo findet, bricht in Polen ein Sturm der Entrüstung los. Warschau startet eine wütende Propagandakampagne gegen die katholische Kirche, unter dem Motto: „Wir vergessen nicht und wir vergeben nicht!“ Erst nach einigen Wochen legte sich der Volkszorn. Die Geste Wojtyłas kommt gut an, natürlich in Deutschland und im Vatikan. Am 26. Mai 1967 beruft Papst Paul VI. den Krakauer Metropoliten in den Kreis der Kardinäle.
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