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Autor: Redaktion
"Wie kann man diese Tatsachen überhaupt abstreiten? Alles worüber Jan Tomasz Gross schreibt, ist doch die Wahrheit!" Mit diesen Worten hat sich jetzt der polnische Holocaustüberlebende und Anführer des Warschauer Ghetto-Aufstandes von 1943, Marek Edelman, in die Kontroverse über den Band von Gross eingeschaltet.
Der Zeitung 'Gazeta Wyborcza' berichtete er von einer Aktion, während der kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges Juden in Zügen und auf Bahnhöfen ermordet worden sein sollen. In seinem Buch 'Angst' schreibt der in New York lehrende Historiker Gross, dass in den ersten Nachkriegsjahren in Polen ein aggressiver Antisemitismus grassierte. In Polen wird der Wissenschaftler für seine Ausführungen in dem Buch 'Angst' heftig kritisiert.
Gross untersucht in dem Anfang Januar erschienen Buch "Strach" (Angst) den Antisemitismus in Polen nach dem Zweiten Weltkrieg, der unter anderem dazu geführt habe, dass dem Autor zufolge bis 1950 rund 200.000 Holocaust-Überlebende das Land verließen. Gross beschreibt dabei auch Pogrome im Nachkriegs-Polen. Das Pogrom vom 4. Juli 1946 im zentralpolnischen Kielce, bei dem 40 Juden ermordet wurden, stellt er in den Mittelpunkt seines Buches. Vor allem prangert er in "Angst" auch das Verhalten der katholischen Kirche an und gibt dem Klerus eine Mitschuld am Antisemitismus der Nachkriegsjahre. Den Grund für den Antisemitismus sieht Gross übrigens in einer doppelten Angst der Polen: davor, für den Holocaust mitverantwortlich gemacht zu werden, und vor dem Verlust des Eigentums, das sie von deportierten Juden übernommen hatten.
Jan Tomasz Gross (geboren 1947 in Warschau) wuchs in Polen auf und verließ das Land nach der antisemitischen Hetzkampagne im Jahr 1968. In den USA machte Gross wissenschaftliche Karriere und ist heute Geschichtsprofessor in Princeton. Mit seinem Buch "Nachbarn", erschienen 2001, beeinflusste er die polnische Vergangenheitsaufarbeitung ganz erheblich. Gross beschrieb darin das Massaker an den Juden des nordpolnischen Dorfes Jedwabne 1941, an dem die polnische Zivilbevölkerung zumindest mitwirkte. In den USA, wo "Angst" (Orignialtitel Fear: Anti-Semitism in Poland After Auschwitz) bereits 2006 publiziert worden ist, hat Gross mit seinen Thesen eine heftige Diskussion ausgelöst. Aber "Angst" ist keine bloße Übersetzung. Gross hat es für die Polen sehr stark bearbeitet. Übrigens erschien es bemerkenswerterweise im ehrwürdigen Krakauer Verlag 'Znak', der als kirchennah gilt.
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