Urbi et Gorbi

 

Zwanzig Jahre ist es her, dass der Eiserne Vorhang fiel. Er symbolisierte die Trennung zwischen Ost und West, zwischen Marktwirtschaft und Planwirtschaft. Joachim Jauer hebt in seinem Buch die Rolle von zwei Wegbereitern der deutsch-deutschen Wiedervereinigung besonders hervor:  Papst Johannes Paul und der sowjetische Generalsekretär Michail Gorbatschow. Das Jahr 1989 hat Europa völlig verändert. Als Fernsehkorrespondent des ZDF war Joachim Jauer Augenzeuge der ersten Risse im Eisernen Vorhang und der großen Fluchtbewegung aus der DDR. In "Urbi et Gorbi" erzählt er von der großen Hoffnung auf Freiheit, von der Suche nach Wahrheit und von Menschen - darunter auffallend vielen Christen -, deren Mut das Wunder der Wende ermöglicht hat. Unser Buch des Monats im November 2009.

In seinem rund 340 Seiten starken Buch, das leider einen etwas zu marktschreierischen Titel hat, beschreibt Joachim Jauer in 20 stellenweise hochspannenden Kapiteln kenntniss- und ankedotenreich die Ereignisse in der UdSSR, DDR, Polen, Ungarn und der CSSR des Wendejahres 1989. Wie der Buchtitel es vermuten lässt, erinnert er besonders an die historischen Verdienste von Papst Johannes Paul II., der acht Monate nach seiner Wahl 1979 in seine polnische die Heimat reiste. Beschwörend betete er vor Millionen: „Ich, ein Sohn polnischer Erde und zugleich Papst Johannes Paul II., ich rufe aus der ganzen Tiefe dieses Jahrhunderts: Sende aus deinen Geist! Und erneuere das Angesicht der Erde! Dieser Erde, dieses Landes.“ Polens Kommunistische Partei forderte ihn auf, sich nicht in die Politik einzumischen. Antwort: „Gestatten Sie mir, das Wohl Polens auch weiterhin als das meine zu betrachten und zutiefst daran Anteil zu nehmen, ganz so, als ob ich noch in diesem Lande lebte und Bürger dieses Staates wäre.“ Entscheidend war auch der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschows gewesen. Der Papst habe „Wandel durch Wahrheit“ gewollt, Gorbatschow Wahrheit und Wandel, „Glasnost und Perestrojka“, so Jauer.

"Urbi et Gorbi" will natürlich den Kampf vieler nicht-christliche Oppositionelle in Osteuropa nicht schmälern, arbeitet aber mehr oder weniger gelungen heraus, dass an vielen Stellschrauben Christen verschiedener Konfessionen "entscheidend" gedreht haben: Ohne Montagsgebete in der Leipziger Nikolaikirche keine Montagsdemonstrationen. Ohne den Mut widerständiger Christenmenschen - von Csilla von Boeselager, bis Lech Wa³êsa - wäre der Aufbruch 1989 nicht in Gang gekommen. Vor allem wäre der Sturz der Diktaturen kaum gewaltlos gewesen.
grom

Jauer, Joachim
Urbi et Gorbi
Christen als Wegbereiter der Wende
Verlag Herder  2009
344 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-451-32253-2
€[D] 19,95

 
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