Jureks Erben. Vom Weiterleben nach dem Überleben

 

2008 erhielt Katarina Bader für ihr Radiofeature „Herr Hronowski und ich – eine deutsch-polnische Freundschaft“ den Deutsch-Polnischen Journalistenpreis in der Kategorie "Hörfunk". 2010 brachte sie das Buch "Jureks Erben" heraus. Feature und Buch berichten über Baders Freundschaft zu dem polnischen Auschwitz-Überlebenden Jurek Hronowski. Aus der Perspektive der Enkelgeneration schildert sie die schwierige Wiederannährung zwischen Deutschen und Polen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Im Februar 2006 stirbt Jerzy Hronowski, genannt Jurek,  in seiner Wohnung in Warschau. Erst auf seiner Beerdigung wird Katarina Bader klar, wie einsam ihr Freund Jurek in den letzten Jahren war. Als 18-Jährige hatte sie den damals fast 80-Jährigen in der Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz kennengelernt. Aus der organisierten Begegnung entwickelte sich eine tiefe Freundschaft. Hronowski erzählte ihr immer wieder über seine vier Jahre im KZ Auschwitz. In den Geschichten, die Jurek über das Lager erzählte, war immer ein Funken Hoffnung: Sie handelten vom Essen-Organisieren und davon, wie Jurek bei einem »medizinischen Versuch« mit Fleckfieber infiziert wurde, aber überlebte, weil ein jüdischer Pfleger ihm heimlich Medikamente zuschob. Als Katarina Bader Jurek besser kennenlernte, merkte sie aber, dass er Erinnerungen jenseits dieser Geschichten hatte. Quälende Erinnerungen.

Nach Jureks Tod bleiben Fragen: Warum war er so einsam? Wieso hat er sich von fast allen Menschen, die ihm eine Zeit lang nahe standen, im Streit getrennt? Weshalb war das Erzählen für Jurek so wichtig? Um Antworten zu finden, besucht Katarina Bader Menschen, die Jurek zu verschiedenen Zeiten nahe standen: einen ehemaligen Mithäftling; einen Pfarrer aus Norddeutschland, der seine Kindheit in der Nazi-Eliteschule Napola verbrachte und sich später zusammen mit Jurek für Versöhnung engagierte; Jureks Sohn Tomek, der als 16-Jähriger im Streit von zu Hause wegging und mit dem sich Jurek nie aussöhnen konnte.

"Katarina Bader hat mit "Jureks Erben" ein Sachbuch geschrieben, das in die Lehrpläne der Schulen genommen werden sollte. Das Thema "Annäherung von Deutschen und Juden" klingt trocken, aber Bader erzählt spannend darüber."
(NDR)

Katarina Bader
Jureks Erben
Vom Weiterleben nach dem Überleben
Verlag Kiepenheuer & Witsch 2010
384 Seiten, Gebunden
ISBN: 978-3-462-04200-9
Euro (D) 19.95

 
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